Geschichte unserer Gemeinde

Sankt Kunigunde Pirna

Mit der Weihe einer katholischen Kapelle am 11. Juli des Jahre 1823 auf dem Hausberg in Pirna, welche fortan den Namen der heiligen Kunigunde trug, wurden wieder regelmäßige, katholische Gottesdienste in Pirna gehalten. Seit der Einführung der Reformation im sächsischen Pirna im Jahre 1539 war katholisches Leben in dieser Stadt erloschen. Die damalige Pirnaer Bevölkerung nahm geschlossen den neuen evangelischen Glauben an. Sich zeitweilig in Pirna ansässige Ausländer katholischen Glaubens konnten weder Bürgerrechte erwerben noch katholische Gottesdienste besuchen. Mit dem Übertritt August des Starken zur katholischen Konfession im Jahre 1697 aus rein dynastischen Motiven wurden zwar am Hofe (Kapelle in Moritzburg und später Bau der Hofkirche und Kirche im Schloss Hubertusburg) eine Möglichkeit geschaffen, für den Hofstaat katholische Gottesdienste abzuhalten,  Katholiken in unserem Gemeindegebiet blieb aber nur die Möglichkeit, Gottesdienste im nahen Böhmen zu besuchen.
 
Mit dem Anschluss Sachsens an den von Napoleon dominierten Rheinbund im Jahre 1806 kam nun zwar für Katholiken eine Erleichterung durch die Möglichkeit, in Sachsen das Bürgerrecht zu beantragen und Grundbesitz zu erwerben.  Die Wiedererrichtung einer katholischen Gemeinde in Pirna musste noch bis zum Jahre 1827 warten. Vorausgegangen war der Errichtung und Weihe einer eigenen Kapelle mit Schule und Lehrerwohnung eine Stiftung von 5.000 Talern durch die Prinzessin Maria Kunigunde aus dem Hause Wettin im Jahre 1822. Seit dem 1. Oktober 1827 gab es wieder eine selbständige katholische Gemeinde mit dem Namen Sankt Kunigunde in Pirna. Sie zählte damit zu den 10 ersten Neugründungen im Gebiet des protestantischen Sachsen. Die Gemeinde entwickelte sich rasch und durch den Zuzug von meist Arbeiterfamilien aus Böhmen, Schlesien und anderen katholischen Gebieten reichte der Platz in der 100 Personen fassenden Hausbergkapelle bald nicht mehr.
 
Die Gemeinde erwarb im Jahre 1859 ein Grundstück im Bereich der Stadtbefestigung an der damaligen Albertstraße, der heutigen Dr.-Wilhelm-Külz-Straße. 1865 erfolgte die Grundsteinlegung für unsere heutige Pfarrkirche, 1867 der Baubeginn eines Schulgebäudes rechts daneben und im Jahre 1869 wurde die Kirche Sankt Kunigunde durch Bischof Forwerk geweiht. Das Gemeindegebiet war im Norden durch die Stadt Bischofswerda begrenzt, im Osten durch die Grenze nach Böhmen, genau wie im Süden und im Westen waren Dohna, Heidenau und Rossendorf eingeschlossen.
 
Der Zuwachs von katholischen Arbeitskräften hielt in den Folgejahren stark an und es kam zu zahlreichen Ausgründungen:
 
1883   katholische Gemeinde Radeberg mit Einzugsgebiet im Osten
1888   katholische Gemeinde Sebnitz mit Neustadt
1920   katholische Gemeinde Heidenau
1923   katholische Gemeinde Königstein
1952   katholische Gemeinde Berggießhübel und
1959   katholische Gemeinde Bad Schandau
 
Gemäß dem Anliegen der Stifterin Prinzessin Maria Kunigunde nahm vor allem die Weiterentwicklung des katholischen Schulwesens in Pirna einen sehr positiven Verlauf. Im Jahre 1897 konnte ein neues Schulgebäude mit moderner Turnhalle für die katholische Volksschule an der heutigen Maxim-Gorki-Straße eingeweiht werden. Zeitweilig lernten hier in 8 Klassen bis zu 260 Schüler. Leider musste die Schule nach dem 1. Weltkrieg im Rahmen der Einführung eines neuen staatlichen Schulsystems abgegeben werden.
 
Zwei Pfarrer, welche über viele Jahre in unserer Gemeinde tätig waren, haben das Gemeindeleben wesentlich geprägt und gestaltet:  Pfarrer Ludwig de Lasalle und Pfarrer Dr. Benno Scholze. Unter Leitung von Herrn Pfarrer de Lasalle wurden zahlreiche aktive, christlich geprägte Vereine gegründet. Pfarrer Scholze, der aus dem sorbischen Gebiet Sachsens stammte, wurde von den Nazis auf Grund seiner Haltung über 4 Jahre im KZ Dachau gefangen gehalten. Er widmete sich nach 1945 besonders der Betreuung von Flüchtlingen und Vertriebenen.  Allein im Jahre 1945 sprachen 60.000 Umsiedler im Pfarrhaus vor.
 
Der Anteil von Katholiken in unserem Gemeindegebiet wuchs durch die zahlreichen Umsiedler (Schlesien, Sudetengebiet, Ungarn) sprunghaft an. Die Bemühungen unseres Pfarrers Benno Scholze, ein weiteres Gotteshaus für unsere erweiterte Gemeinde zu nutzen, hatten Erfolg. Seit 1952, in schwerer wirtschaftlicher Zeit, wurde die durch den Luftangriff 1945 auf Pirna stark beschädigte Klosterkirche grundlegend saniert und als würdiges Denkmal hergerichtet. Am 10. August 1957 konnte die Klosterkirche Sankt Heinrich durch den Administrator des Bistums, Dr. Otto Spülbeck wieder geweiht werden.
 
Mit dem Amtsantritt des neuen Pfarrers, Herrn Dr. Siegfried Hübner, am 1. September 1966, nahm das Projekt, die Oratorianer des hl. Phillip Neri in Pirna anzusiedeln, konkrete Formen an. Unsere Gemeinde wurde ab August 1967 dem Oratorium übertragen. Ab 1975 erlosch diese vertragliche Regelung wieder und die vor Ort tätigen Priester verließen die Gemeinde.
 
Im Jahre 1973 wurde die Ausstattung unserer Klosterkirche den liturgischen Neuerungen des II. Vatikanischen Konzils angepasst. Ein durch den Dresdner Künstler Friedrich Press geschaffenes Altarensemble markiert nun eindrucksvoll den neuen Mittelpunkt der zweischiffigen Kirche.
 
Von 1975 bis 1988 leitete Pfarrer Rudolf Birner unsere Gemeinde und setzte in dieser Zeit die erforderliche bauliche Erneuerung der Pfarrkirche Sankt Kunigunde um. Ihm folgte Pfarrer Eberhard Grond, der in den bewegten Wendezeiten aktiv an der Spitze der Gemeinde wirkte.
 
In den Jahren von 2001 bis 2014 leitete Pfarrer Norbert Büchner unsere Gemeinde. In diese Zeit fielen leider zwei verheerende Hochwasserkatastrophen, die unserer Stadt und auch unseren beiden Kirchen fundamentale Schäden hinterließen.  Pfarrer Büchner trug erheblich dazu bei, die materiellen wie auch seelischen Schäden mit ganzer Kraft schrittweise zu beseitigen.
 
Nach der Amtsübernahme unseres derzeitigen Pfarrers Vinzenz Brendler am 1.12.2014, begann ein Erkundungsprozess, der vor allem durch die Zusammenlegung der vier Gemeindeteile Sankt Kunigunde Pirna, Sankt Georg Heidenau, Sankt Gertrud Neustadt und Maria, Mittlerin der Gnaden Bad Schandau eine wesentliche Veränderung erfahren hat. Die Neugründung der Pfarrei Sankt Heinrich und Kunigunde erfolgte am 2.9. 2018.
 
 
Christoph Brühl               25.1.2022